EWR 1 (2002), Nr. 2 (April/Mai 2002)

Heiko Waller
Sozialmedizin
Grundlagen und Praxis
Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2002
(255 Seiten; ISBN 3-17-017015-5; 24,80 EUR)
Sozialmedizin Sozialmedizin verbinde die medizinische und die sozialwissenschaftliche Sichtweise von Krankheit und Behinderung und wende sie in Prävention, Sozialtherapie und Rehabilitation praktisch an – so der Autor Heiko Waller, der Sozialmedizin am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule in Lüneburg lehrt.

Sozialarbeit im Gesundheitswesen ist ein wichtiger Tätigkeitsbereich für Sozialarbeiter/-innen und doch sind Gesundheit, Krankheit, Gesundheitsforschung, Sozialtherapie und Pflege wenig im disziplinären Blickfeld Sozialer Arbeit, fast vergessen scheint gegenwärtig, daß Gesundheitsfürsorge und -pflege historische Eckpfeiler Sozialer Arbeit sind.

Heiko Wallers "Sozialmedizin" richtet sich in erster Linie an Studierende der Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Soziologie, Psychologie und Gesundheitswissenschaften. Im Sinne der eingangs formulierten Bestimmung von Sozialmedizin beschäftigt sich das Lehrbuch in fünf Kapiteln mit den Grundlagen allgemeiner Sozialmedizin in Theorie und Praxis. In einem zweiten Teil wird auf die heutigen Hauptkrankheitsgruppen eingegangen: Herz- Kreislauferkrankungen, Krebserkrankungen und Infektionserkrankungen (vor allem AIDS), außerdem auf Behinderungen und schließlich psychische, psychosomatische Erkrankungen.

Die sozialepidemiologisch begründeten Ausführungen zu Krankheit und Behinderung im Blick auf Arbeit, Arbeitslosigkeit , Migration, Geschlechterrollen, Familienfaktoren und Umwelt sind für die Disziplin wie Profession Sozialer Arbeit anregend und bereichernd. Dies trifft auf die Kinder- und Jugendberichterstattung ebenso zu wie auf die Familienberichterstattung. Das Themenfeld Gesundheit/Krankheit spielt nach wie vor in der Sozialen Arbeit nur eine marginale Rolle. Kindheit und Jugend werden sozialpolitisch, nicht aber gesundheitspolitisch in den Blick genommen. Bewegen, Ernähren, Kleiden, Körper und Sinnenbewußtsein bleiben ebenso ausgeblendet wie chronische Krankheiten bei und gesundheitsgefährdendes Handeln von Kindern und Jugendlichen.

H. Wallers Lehrbuch zur Sozialmedizin gibt vielerlei Hinweise darauf, daß die Soziale Arbeit an der sozialmedizinischen Praxis etwa im Segment der Sozialtherapie partizipieren kann, bezieht sie sich doch auf das Soziale, auf die Lebenswelt von Klienten.

Im zweiten Teil des Buches, die Spezielle Sozialmedizin, wird die Systematik des ersten Teils wieder aufgegriffen: Zu den sozialmedizinischen Grundlagen gehören die Krankheitsmodelle und die epidemiologischen Zusammenhänge, zur sozialmedizinischen Praxis Prävention und Gesundheitsförderung, Beratung, Soziale Therapie, Rehabilitation, Nachsorge und Pflege. Diese Aspekte werden auf die wichtigsten Erkrankungen bezogen: auf die des Kreislaufsystems, auf Krebs und Infektionen, aber auch auf Behinderung sowie auf psychische, psychosomatische Erkrankungen.

Das Lehrbuch "Sozialmedizin" spricht nicht nur wegen seiner konstruktiven Offenheit gegenüber Sozialer Arbeit an, sondern auch wegen seines klaren und stringenten Aufbaus. Es ist deshalb eine wichtige Information für alle nichtärztlichen Berufe im Gesundheitswesen, aber auch darüberhinaus für die Soziale Arbeit allgemein.
Hans Günther Homfeldt (Trier)
Zur Zitierweise der Rezension:
Hans Günther Homfeldt: Rezension von: Waller, Heiko: Sozialmedizin, Grundlagen und Praxis, Stuttgart: Kohlhammer Verlag 2002. In: EWR 1 (2002), Nr. 2 (Veröffentlicht am 00.04.2002), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/17017015.html