EWR 7 (2008), Nr. 6 (November/Dezember)

Sabine Dengel
Untertan, Volksgenosse, sozialistische Persönlichkeit
Politische Erziehung im Deutschen Kaiserreich, dem NS-Staat und der DDR
Frankfurt a.Ma. u.a.: Campus 2005
(535 S.; ISBN 3-593-37872-8; 55,00 EUR)
Untertan, Volksgenosse, sozialistische Persönlichkeit In ihrer Studie geht die Autorin der Frage nach, wie die drei im Titel genannten nicht-demokratischen Staatsformen vorgingen, um die für ihre Existenz „systemfunktionalen Persönlichkeitstypen“ (47) – den Untertanen, den Volksgenossen und die sozialistische Persönlichkeit – hervorzubringen. Methodisch verbindet sie dabei politologische und erziehungswissenschaftliche Ansätze, indem sie das Instrumentarium der politischen Zielkulturanalyse auf die drei politischen Systeme anwendet. Dengel geht davon aus, dass alle drei Systeme „ihre politischen Zielkulturen in erster Linie mittels politischer Sozialisation zu verwirklichen“ suchten (36-37) und somit durchaus als „Erziehungsstaaten“ zu verstehen seien. Im 1. Kapitel widmet sie sich zunächst der politischen Zielkultur der jeweiligen Staaten. Darauf folgt die Auseinandersetzung mit den Instanzen, durch die der Staat Einfluss auf „politisch relevanten Einstellungen, Wertorientierungen und Verhaltensweisen“ (34) zu nehmen bemüht war: Hier werden für alle drei Staaten neben Schule, Hochschule und Militär auch die Formen der staatlichen Selbstrepräsentation untersucht, da die „Systeme ihre politischen Erziehungsziele in hohem Maße visuell und symbolisch vermitteln“ wollten (34). Um die strukturelle Dimension der politischen Erziehung am Beispiel der Familienpolitik und des Bildungssystems geht es im vierten Kapitel. Im 5. Kapitel wird nach dem Beitrag der Bildenden Kunst zur Verwirklichung der politischen Zielkultur gefragt und die Rolle der Intellektuellen analysiert, wobei der Befund, dass diese den jeweiligen Zielkulturen nicht viel entgegenzusetzen gehabt hätten bzw. sich zuweilen auch allzu gerne instrumentalisieren lassen hätten, sicherlich zur Diskussion herausfordert.
Sabine Dengel hat akribisch gearbeitet und einen sehr vielschichtigen Text vorgelegt. Das von ihr selbst so bezeichnete „methodische Experiment“ (494) führt zu einem eigenwilligen, aber durchaus lohnenden Blick auf das wichtige Themenfeld der politischen Erziehung, das auch in demokratischen Systemen stets Aktualität besitzt.
Rüdiger Loeffelmeier (Berlin)
Zur Zitierweise der Annotation:
Rüdiger Loeffelmeier: Annotation zu: Dengel, Sabine: Untertan, Volksgenosse, sozialistische Persönlichkeit, Politische Erziehung im Deutschen Kaiserreich, dem NS-Staat und der DDR. Frankfurt a.Ma. u.a.: Campus 2005. In: EWR 7 (2008), Nr. 6 (Veröffentlicht am 05.12.2008), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/annotation/59337872.html