EWR 8 (2009), Nr. 1 (Januar/Februar)

Sonja Häder / Ulrich Wiegmann (Hrsg.)
Die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik
Frankfurt am Main u.a.: Lang 2007
(226 S.; ISBN 978-3-631-56340-3; 41,10 EUR)
Die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik Die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften (APW) war von 1970 an die zentrale außeruniversitäre Forschungsstätte zu pädagogischen Fragen in der DDR. Hier wurden in großer Nähe zum Ministerium für Volksbildung nicht nur Pläne für die Forschung ausgearbeitet, sondern diese Forschung auch selbst betrieben. Im Rahmen einer Tagung, auf der die Beiträge des Bandes basieren, wurde die APW zum einen von innen her beleuchtet (Entwicklung und Strukturen sowie Fallbeispiele aus verschiedenen Forschungsbereichen aus einem Forschungsprojekt der Herausgeber zur APW), zum anderen in verschiedene Kontexte (außeruniversitäre Institute in der BRD, ähnlich gelagerte Einrichtungen im sozialistischen Ungarn, die Geschichtswissenschaft in der DDR) gestellt. Die zentrale Frage ist die nach dem Verhältnis von Vorgaben, Funktion und Parteilichkeit einerseits, nach Freiräumen, kritischen Ergebnissen und Wissenschaftlichkeit andererseits. Dabei wird im Einzelnen u.a. herausgearbeitet, dass die APW mit den westdeutschen Forschungsinstituten strukturelle und funktionale Merkmale gemeinsam hatte, dass in ihrer Forschung auch von den Vorgaben abweichende Ergebnisse produziert wurden und damit ihre Funktionalität für die pädagogische Praxis eingeschränkt war, dass sie mit anderen Gesellschaftswissenschaften in der DDR die Parteilichkeit als oberste Maxime geteilt hat und von daher eine kritische Wendung gegen die Vorgaben nicht in ihrem Fokus stand. In der vergleichenden Abschlussbetrachtung wird dann aus der Beobachterperspektive das – die Einzelergebnisse zum Teil negierende – Fazit gezogen, dass die APW in den „Aporien der sozialistischen ‚Normalwissenschaft‘“ befangen war und ihre Funktion und Wirksamkeit in doppelter Weise begrenzt war: Als wissenschaftliche Forschung, die Ergebnisse produziert, die das System bestätigen, sei sie zwar willkommen, aber eben an die Vorgaben gehalten und insofern wirkungslos gewesen; als Forschung, die von den Vorgaben abweichende Ergebnisse erzielt hat, sei sie ebenfalls folgenlos geblieben, denn die Praxis wäre schon festgelegt gewesen und Veränderungen hätten außer jeder Diskussion gestanden. Angesichts dieser kontroversen Interpretation darf man gespannt sein auf die weiteren Ergebnisse des Forschungsprojekts.
Klaus-Peter Horn (Tübingen)
Zur Zitierweise der Annotation:
Klaus-Peter Horn: Annotation zu: Häder, Sonja / Wiegmann, Ulrich (Hg.): Die Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik. Frankfurt am Main u.a.: Lang 2007. In: EWR 8 (2009), Nr. 1 (Veröffentlicht am 04.02.2009), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/annotation/978363156340.html