EWR 9 (2010), Nr. 2 (März/April)

Hans Näf (Hrsg.)
Eine menschliche Schule
Die Ecole d’Humanité von innen gesehen
Oberhofen: Zytglogge 2009
(333 S.; ISBN 978-3-7296-0784-2; 24,00 EUR)
Eine menschliche Schule Seit 1946 wird die Ecole d’ Humanité, die 1934 von Paul und Edith Geheeb in Genf gegründet wurde, als Internatsschule für derzeit ca. 150 Schülerinnen und Schüler auf dem Hasliberg im Berner Oberland betrieben. Hans Näf, der als Schulpsychologe über einen längeren Zeitraum mit der Schule verbunden war, gab anlässlich ihres 75. Geburtstags dieses Lesebuch heraus, das zum einen aus biografischen Texten von Menschen besteht, die die Schule besuchten bzw. in ihr tätig waren, zum anderen Aufsätze von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bzw. von der Schule nahe stehenden Pädagoginnen und Pädagogen versammelt, die darin das pädagogische Spektrum der Arbeit an der Ecole d’Humanité beleuchten und durchaus Anregungen für erzieherisches Handeln auch außerhalb der Internatsschule geben. Dabei verwundert es nicht, dass durch die verschiedenen Texte (zu denen auch die Begründerin der Themenzentrierten Interaktion, Ruth Cohn, beitrug) das Bild einer besonderen Schule entsteht, und zahlreiche Fotos untermauern diesen Eindruck. Wenn auch in einzelnen Texten auf Kontroversen innerhalb der Schule eingegangen wird, so überwiegt doch die Darstellung einer Schule, in der gemeinsam ohne Angst, vertrauensvoll und menschlich gelernt und gelebt wird. Leider wird gleichzeitig impliziert, dass andere Schulen eben diese Eigenschaften nicht besitzen, dass der eigene Weg der Königsweg sei und zum Vorbild für alle dienen müsse. In diesem Selbstbewusstsein liegt jedoch die Gefahr verborgen, selbstgefällig zu werden, den kritischen Umgang mit der eigenen, anscheinend erfolgreichen pädagogischen Arbeit zu verlernen und sich an den Zuständen in der eigenen kleinen Welt zu berauschen. Dies wiederum kann soweit führen, dass sich andeutende Missstände oder Probleme nicht die Wahrnehmung oder Sensibilität erfahren, die sie benötigen, dass sie lieber ausgeblendet und verleugnet werden. Die Odenwaldschule bietet dafür ein ganz aktuelles und bedauerliches, aber auch erschreckendes Beispiel. Ähnliches möge der Ecole d’ Humanité erspart bleiben.
Rüdiger Loeffelmeier (Berlin)
Zur Zitierweise der Annotation:
Rüdiger Loeffelmeier: Annotation zu: Näf, Hans (Hg.): Eine menschliche Schule, Die Ecole d’Humanité von innen gesehen. Oberhofen: Zytglogge 2009. In: EWR 9 (2010), Nr. 2 (Veröffentlicht am 13.04.2010), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/annotation/978372960784.html