EWR 9 (2010), Nr. 2 (März/April)

Edith Glaser / Sabine Andresen (Hrsg.)
Disziplingeschichte der Erziehungswissenschaft als Geschlechtergeschichte
(Jahrbuch der Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Band 5)
Opladen & Farmington Hills: Budrich 2009
(166 S.; ISBN 978-3-86649-269-1; 19,90 EUR)
Disziplingeschichte der Erziehungswissenschaft als Geschlechtergeschichte Dem einleitenden Beitrag der Herausgeberinnen mit der Prämisse, dass die Kategorie Geschlecht in der Wissenschaftsgeschichte der Erziehungswissenschaft bislang zu kurz gekommen sei, folgen vier Hauptartikel sowie, unter der Rubrizierung „work in progress“, eine Reihe kürzerer Beiträge sowie abschließend Rezensionen. Eine Bestimmung dessen, was unter Disziplingeschichte zu verstehen ist, fehlt leider, so dass etwas undeutlich bleibt, was damit in diesem Band gemeint ist: der „geschlechtersensitive Blick“ (8) auf die Geschichte der Disziplin Erziehungswissenschaft in ihren theoretischen, kommunikativen, organisatorischen und sozialen Bezügen oder die Geschichte der (Nicht-)Thematisierung des weiblichen Geschlechts in Pädagogik und Erziehungswissenschaft? Vornehmlich wird in diesem Band letzteres problematisiert, womit erneut auf eine durchaus zentrale Frage für die Reflexion (nicht nur) der Erziehungswissenschaft aufmerksam gemacht wird. Geschlechtergeschichte scheint sich dadurch aber auf eine Defizitdiagnose bzw. den Hinweis auf weibliche Gegenentwürfe zu reduzieren. Inhaltlich überwiegen Beiträge, in denen eher pädagogische Praxen und die Professionsentwicklung in den Blick genommen werden und ein disziplingeschichtlicher Bezugspunkt nur am Rande erkennbar ist. In den wenigen Abhandlungen mit im engeren Sinne disziplingeschichtlichen Bezügen wird u.a. mit Rekurs auf Bourdieu die Deutung der Wissenschafts- und Disziplingeschichte als Kampf im akademischen Feld vorgeschlagen, die Entstehung und Entwicklung der Genderdiskussion in der Schulpädagogik und deren Bedeutung für die Schulpädagogik als erziehungswissenschaftlicher Teildisziplin aufgearbeitet, und schließlich in einem Aufsatz über Elisabeth Blochmann die Disziplin im engeren Sinne in den Fokus genommen, wobei hier aber wenig Neues über die Marburger Professorin für Pädagogik zutage kommt. Die These, dass Blochmann und andere aus der randständigen Position im akademischen Betrieb eine „unabhängige Erkenntnisperspektive“ (135) entwickeln konnten, wird nicht systematisch am Material entfaltet. So enthält der Band manche Ansätze, an denen weiter zu arbeiten sich lohnt.
Klaus-Peter Horn (Tübingen)
Zur Zitierweise der Annotation:
Klaus-Peter Horn: Annotation zu: Glaser, Edith / Andresen, Sabine (Hg.): Disziplingeschichte der Erziehungswissenschaft als Geschlechtergeschichte, (Jahrbuch der Frauen- und Geschlechterforschung in der Erziehungswissenschaft, Band 5). Opladen & Farmington Hills: Budrich 2009. In: EWR 9 (2010), Nr. 2 (Veröffentlicht am 13.04.2010), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/annotation/978386649269.html