EWR 5 (2006), Nr. 5 (September/Oktober 2006)

Wilhelm Topsch
Leitfaden Examensarbeit fĂĽr das Lehramt
Bachelor- und Masterarbeiten im pädagogischen Bereich
Weinheim: Beltz 2006
(168 S.; ISBN 3-407-25414-8; 16,90 EUR)
Leitfaden Examensarbeit für das Lehramt Das Schreiben wissenschaftlicher Texte gehört zu den Grundformen wissenschaftlichen Arbeitens und zu Basisqualifikationen im Studium. Oft fühlen sich Studierende aber nur unzureichend auf die damit verbundenen Ansprüche vorbereitet. Sie besitzen nicht selten eher diffuse Kenntnisse über die Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens, haben unrealistische Vorstellungen hinsichtlich des Umfangs ihrer Abhandlungen sowie der Berücksichtigung wissenschaftlicher Arbeits- und Forschungsmethoden und entfalten überhöhte Erwartungen an sich selbst. Die Kombination dieser Aspekte mit einer Prüfungssituation führt oft dazu, dass das Erstellen wissenschaftlicher Texte mit Ängsten besetzt ist und von Vermeidungsstrategien und Schreibblockaden begleitet wird.

Hier kann der Band „Leitfaden Examensarbeit für das Lehramt“ von Wilhelm Topsch (Professor für Schulpädagogik an der Universität Oldenburg) echte Hilfen bieten. Das Werk ist 2006 in einer zweiten, überarbeiteten und wesentlich ergänzten Auflage beim Beltz Verlag, Weinheim, erschienen. Der Untertitel „Bachelor- und Magisterarbeiten im pädagogischen Bereich“ weist aus, dass neue Studiengänge und neue Abschlussformen im Beratungsfeld berücksichtigt werden.

Dreh- und Angelpunkte der Erarbeitung wissenschaftlicher Texte sind die Formen

  • des Zitierens,
  • des Verweisens
  • und der Erfassung von Quellen.


Diesen Punkten widmet der Band besondere Aufmerksamkeit. Dabei erfolgt eine Ausrichtung an der DIN Norm 1505, was eine Vereinheitlichung der formalen Anforderungen unterstützt und der Beliebigkeit von Empfehlungen, die sich oft an Gewohnheiten oder Gefallensurteilen von Autoren oder Beratern orientieren, entgegenwirkt. Die skizzierten Arbeitstechniken werden durch Beispiele, Grafiken und praktische Hinweise anschaulich unterstützt, so dass das Buch als eine grundlegende Einführung während des Schreibprozesses, aber auch als ein kursorisch zu nutzendes Nachschlagewerk dienen kann. Auf diese Weise entsteht ein „Leitfaden“, der diesen Namen verdient. Dabei beschränkt sich das Buch jedoch nicht nur auf Formales. Ein inhaltlicher Überblick zeigt, wie weit der Bogen gespannt ist. Das Buch umfasst folgende Bausteine:

Prüfungsordnungen: Die Vorschläge, Anregungen und Beispiele des Bandes beziehen sich schwerpunktmäßig auf Examensarbeiten zur Ersten oder Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt sowie Bachelor- und Masterarbeiten der gestuften Studiengänge mit pädagogischem Profil. Da es sich hierbei in jedem Fall um besonders exponierte Prüfungsteile handelt, ist es unerlässlich, sich mit Fragen der Prüfungsordnung zu beschäftigen. Der „Leitfaden“ stellt in exemplarischer Weise Anregungen, Beispiele und eine Checkliste zur Auseinandersetzung mit Prüfungsordnungen zur Verfügung.

Planungsphasen: Wissenschaftliches Arbeiten vollzieht sich in unterschiedlichen Phasen. Was sich zunächst wie ein scheinbar unbezwingbarer Berg vor den Studierenden auftürmt, setzt sich aus Teilstrecken und Etappen zusammen. In diesem Zusammenhang betont der Verfasser, dass Spontaneität und Kreativität immer erforderlich sind, wenn etwas Neues entstehen soll. Unmissverständlich macht er aber auch deutlich, dass es zugleich wesentlich auf eine langfristige Planung und eine schrittweise Einlösung der einzelnen Phasen ankommt. Hier macht der Band Mut, Schreibängsten und Schreibblockaden durch einer Strukturierung aller notwendigen Phasen und Einzelschritte entgegen zu wirken.

Aufbau von Qualifikationsarbeiten: Es ist gut, sich klar zu machen, dass die Leistung einer wissenschaftlichen Arbeit im inhaltlichen Bereich liegt. Der Aufbau und die Gliederung wissenschaftlicher Arbeiten folgen der inneren Logik und der Struktur einer Themenstellung. Hierzu leistet der „Leitfaden“ substantielle Hilfestellungen, indem Gliederungsebenen unter inhaltlichen Strukturierungsaspekten auch in ihrem Bezug zu formalen Gestaltungsaspekten sowie etwaigen planerischen Alternativen thematisiert und Argumentationshilfen zur Verfügung gestellt werden.

Einbeziehung von Quellen: Eine zentrale Botschaft des Buches ist der nachdrückliche Verweis darauf, dass wissenschaftliches Arbeiten vor allem quellenbasiertes Arbeiten, also die ausgiebige, argumentative Auseinandersetzung mit der „Literatur zum Thema“ ist. Das heißt, Zitate, Verweise und eine korrekte Literaturerfassung sind für Qualifikationsarbeiten – besonders in den geisteswissenschaftlich ausgerichteten Disziplinen – unerlässlich. Auch hier stellt der „Leitfaden“ das nötige Rüstzeug in Form von Abbildungen, Tabellen und anhand von Beispielen anschaulich und praxisnah zur Verfügung. Dies gilt sowohl für die Quellenhinweise im laufenden Text als auch für das Literaturverzeichnis am Ende der Arbeit.

PC und Internet: Die Textverarbeitung am PC und der Einsatz des Internets bei der Recherche haben sich flächendeckend durchgesetzt. Textverarbeitungsprogramme, die neben der eigentlichen Texterfassung auch die Einbeziehung von Grafiken und Tabellen ermöglichen und zugleich über diverse Formatierungsmöglichkeiten sowie über Fußnotenverwaltung, Gliederungsfunktion, Beschriftungsfunktion, Verweisfunktion, Indexierung, Rechtschreibkontrolle usw. verfügen, stellen erhebliche Anforderungen an das „Handling“. Hierfür entwickelt der Band praktische Anregungen und Empfehlungen. Sie beziehen sich auf diejenigen Funktionen von Word und StarOffice, die für das Erstellen von wissenschaftlichen Arbeiten nützlich oder unverzichtbar sind.

Checklisten und Musterseiten: Wie bereits in der ersten Auflage des „Leitfadens“ findet sich am Ende des Bandes eine Zusammenstellung von Checklisten und Musterseiten, die während der Erarbeitung oder in der Korrekturphase das „Abhaken“ von Merkpunkten, Empfehlungen und formalen Vorschriften vereinfachen sollen. Diese Checklisten können auch die Vorbereitung von Rücksprachen bei der Betreuerin oder dem Betreuer erleichtern.

Der „Leitfaden Examensarbeit für das Lehramt“ will Hilfen geben – nicht Vorschriften machen. Er enthält in vorbildlicher Weise Tipps, Beispiele und Anregungen für Planung und Organisation von Examensarbeiten und hilft Studierenden, sich auf die Inhalte ihrer Arbeit zu konzentrieren. Darüber hinaus kann der „Leitfaden Examensarbeit“ aber auch all jenen Lehrenden empfohlen werden, die Lehramtsstudierende bei der Anfertigung wissenschaftlicher Arbeiten betreuen. Hier überzeugt er in uneingeschränkter Weise durch seine herausragende professionelle Beratungskompetenz. Dass der „Leitfaden“ seine Inhalte lesbar, leicht verständlich und streckenweise sogar unterhaltsam entfaltet, unterscheidet ihn zudem in erfreulicher Weise von anderen Werken dieser Art.
Renate Hinz (Dortmund)
Zur Zitierweise der Rezension:
Renate Hinz: Rezension von: Topsch, Wilhelm: Leitfaden Examensarbeit fĂĽr das Lehramt, Bachelor- und Masterarbeiten im pädagogischen Bereich. Weinheim: Beltz 2006. In: EWR 5 (2006), Nr. 5 (Veröffentlicht am 29.09.2006), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/40725414.html