EWR 13 (2014), Nr. 6 (November/Dezember)

Sammelrezension zum Thema: Schriftliche Unterrichtsplanung im Praktikum und im Referendariat

Uwe Maier (Hrsg.)
Lehr-Lernprozesse in der Schule: Praktikum
Fachdidaktische Anregungen für die Gestaltung und schriftliche Dokumentation von Unterricht
Bad Heilbrunn / Stuttgart: Klinkhardt / UTB 2014
(251 S.; ISBN 978-3-8252-4090-5; 18,99 EUR)
Uwe Maier (Hrsg.)
Lehr-Lernprozesse in der Schule: Referendariat
Praxiswissen für den Vorbereitungsdienst
Bad Heilbrunn / Stuttgart: Klinkhardt / UTB 2014
(236 S.; ISBN 978-3-8252-3876-6; 17,99 EUR)
Lehr-Lernprozesse in der Schule: Praktikum Lehr-Lernprozesse in der Schule: Referendariat Theorien zur Planung, Durchführung und Analyse von Unterricht sind sowohl in der deutschsprachigen schulpädagogischen Forschung als auch in der Lehrerausbildung ein wichtiger Bestandteil. Doch im Lehrerberuf – und somit auch im Lehramtsstudium und im Referendariat – reicht es nicht aus, sich theoretisch mit allgemeindidaktischen Modellen auseinanderzusetzen. Vielmehr muss im Studium, insbesondere im Kontext von Praxisphasen, auch eine Anbahnung der Verknüpfung von Theorie und Praxis im Rahmen von Praxisphasen erfolgen, damit im Referendariat neben einer Vorstellung darüber, was guten Unterricht ausmacht, auch Wissen über Gestaltungsmöglichkeiten von Lehr-Lernprozessen vorhanden ist.

Hier, an der Schnittstelle von Theorie und Praxis, wollen die beiden Herausgeberbände mit wissenschaftlich fundierten und praktikablen Beispielen für die Gestaltung und Planung von Lehr-Lernprozessen im Praktikum und im Referendariat ansetzen. So richtet sich der Band „Praktikum“ mit konkreten Beispielen zur Planung, Durchführung und Analyse von Unterricht im Semesterpraktikum an Lehramtsstudierende aller Schulformen, während der Band „Referendariat“ zeigen will, wie sich kompetenzorientierter Unterricht in verschiedenen Fächern und Schulstufen im Referendariat planen und schriftlich dokumentieren lässt.

Beide Bände greifen das von Maier bereits im Band zur Planung und Analyse schulischer Lehr-Lernprozesse im Rahmen des Lehramtsstudiums [1] ausgearbeitete Planungsmodell auf. Die so angestrebte Verbindung von Theorie und Praxis, die mit Verweis auf die jeweils anderen Bände auf dem Buchrücken deutlich gemacht wird, erscheint sinnvoll, gibt aber der Leserin bzw. dem Leser von Anfang an das Gefühl, alle Bände kennen zu müssen, um die Beiträge verstehen und nutzen zu können. Dieses Gefühl wird beim Lesen der Einleitungskapitel beider Bände noch verstärkt: Hier verweist Maier im Anschluss an eine Einführung in die Zielsetzungen der jeweiligen Bände direkt auf die ausführliche Darstellung seiner fünf Planungskategorien in Band eins, um abschließend nur einen kurzen Überblick über sein ausgearbeitetes Planungsmodell zu geben.

Dies erscheint gerade für die im Band zum Praktikum enthaltenen Beiträge von Fachdidaktikerinnen und -didaktikern aus unterschiedlichen Disziplinen, die den Anspruch haben, fachdidaktische Lehr-Lerntheorie und konkrete Unterrichtspraxis zu verknüpfen und dies schriftlich zu fixieren, nicht ausreichend. Denn die in Band eins formulierten fünf Planungskategorien (1) „Von den curricularen und fachwissenschaftlichen Vorgaben zu den Lernzielen“, (2) „Von den Lernvoraussetzungen zur Verlaufsplanung“, (3) „Methodische Dimensionen des Lehr-Lernprozesses“, (4) „Organisatorische Aspekte des Lehr-Lernprozesses“ sowie (5) „Reflexion des Lehr-Lernprozesses“ dienen den Autorinnen und Autoren als Leitlinien und finden sich in allen 12 Beiträgen wieder. Alle Beiträge enthalten dabei eine kurze Einführung in den Unterrichtsgegenstand und das dazu gehörige Fach, bevor jeweils eine Unterrichtseinheit unter der Einbeziehung von Material dargestellt und begründet wird.

So skizziert Florian Hofmann am Beispiel der Einführung in die Inhaltszusammenfassung zu einem literarischen Text, ausgehend von den curricularen und fachwissenschaftlichen Vorgaben zur Kernkompetenz „Inhalte zusammenfassen“, ein Planungsbeispiel für den Deutschunterricht in Klasse sieben, welches er vor dem Hintergrund der fachdidaktischen Literatur ausführlich kommentiert. Der Autor stellt allerdings, wie auch alle anderen Beitragenden, keine Planung für einzelne Unterrichtsstunden vor, sondern arbeitet, wie Maier es in seinem Planungsmodell vorschlägt, mit ganzen Unterrichtssequenzen, zu denen jeweils praktische Tipps und Anregungen, zum Beispiel im Hinblick auf Diagnose, Förderung und Methodenauswahl, gegeben werden. Die weiteren Aufsätze enthalten Beispiele für den Mathematik-, Deutsch-, Physik-, Chemie-, Biologie-, Geschichts- und Kunstunterricht. Ob Lehramtsstudierende diese Sequenzen und die doch sehr ausführlichen fachdidaktischen Literaturhinweise und Kommentierungen in der konkreten Planung von Einzelstunden wirklich nutzen können, bleibt, auch unter dem Aspekt der nur kurzen Überblicksdarstellung der fünf Planungskategorien, fraglich.

Etwas anders verhält es sich mit dem Band zum Referendariat, der sich aufbauend auf der Einleitung in drei Teile mit insgesamt 12 Beiträgen gliedert, die beispielhaft aufzeigen wollen, wie Referendarinnen und Referendare Unterricht schriftlich darstellen und begründen können. Dabei steht in den Beiträgen, die nicht nur unterschiedlich gegliedert sind, sondern auch verschiedene Schwerpunktsetzungen enthalten, die Frage im Mittelpunkt, wie das für Unterricht konstitutive Zusammenspiel zwischen Lernen und Lehren ausgestaltet werden kann, wie dies zu begründen und zu dokumentieren ist. Der erste Teil umfasst vier Beiträge, die Unterrichtssequenzen im Rahmen des Religions-, Biologie-, Kunst- und Geschichtsunterrichts präsentieren und sich dabei an den von Maier entwickelten fünf Planungskategorien orientieren. Auch hier erscheint eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Theorie sinnvoll, um effektiv mit den Beiträgen arbeiten zu können.

Die Beiträge im zweiten und dritten Abschnitt heben sich davon ab. So steht im zweiten Abschnitt das Planungsschema von Josef Leisen aus dem Studienseminar Koblenz, welches er am Beispiel der Elektrizitätslehre vorstellt, im Mittelpunkt. Dieses Planungsschema, das insgesamt 6 Lernschritte vorschlägt und zwischen Lernprozessen und den darauf bezogenen Lehrprozessen unterscheidet, wird in den zwei weiteren Beiträgen, einem schriftlichem Unterrichtsentwurf von der Lehramtsanwärterin Xenia Hahn zum Thema „Feuer braucht Sauerstoff“ und dem Beitrag von Bettina Missale und Herbert Fallscheer im Rahmen einer Unterrichtseinheit zur Funktion der Körperanalysewaage, aufgegriffen und praxisnah dargestellt. Im dritten Abschnitt werden fünf Unterrichtsvorbereitungen am Beispiel der Fächer evangelische Religion, Deutsch, Mathematik und dem Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur aus dem Studienseminar Bad Mergentheim vorgestellt, die sich alle an sieben verbindlichen Leitfragen orientieren, die Susanne Doll in einem einleitenden Beitrag erläutert und begründet. Dieser Abschnitt ist ebenfalls von der Frage nach einem am Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler orientierten Unterricht geprägt. Durch die enge Anbindung an die einführenden Aufsätze erscheinen die Beiträge im zweiten und dritten Abschnitt besonders interessant und hilfreich für die Planung und Verschriftlichung von Unterricht im Referendariat, da sie insgesamt als Einheit wirken und gut nachvollziehbar sind.

Insgesamt gesehen bieten aber beide Bände eine gute Grundlage für die Planung, Durchführung und Analyse von Unterricht unter dem Aspekt von Lehr-Lernprozessen sowohl im Praktikum als auch im Referendariat. Besonders erwähnenswert ist das Onlinematerial, das kostenlos über die Homepage des UTB-Verlags abrufbar ist und die verschiedenen Beiträge mit Arbeitsblättern noch praxisnaher macht. Studierende und Referendare, die sowohl fachtheoretische als auch fachpraktische Anregungen für die Planung und Durchführung von Unterricht suchen, finden in den beiden Bänden durchaus gute und vielfältige Hilfestellungen. Allerdings ist für das effektive Arbeiten mit beiden Bänden die Arbeit mit dem ersten Band durchaus empfehlenswert.

[1] Vgl. Bach, A.: Rezension von: Maier, U.: Lehr-Lernprozesse in der Schule: Studium, Allgemeindidaktische Kategorien für die Analyse und Gestaltung von Unterricht. Bad Heilbrunn / Stuttgart: Klinkhardt / UTB 2012. In: EWR 12 (2013), Nr. 3 (Veröffentlicht am 28.05.2013), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/97838252376...
Jana Rohkohl (Osnabrück)
Zur Zitierweise der Rezension:
Jana Rohkohl: Rezension von: Uwe, Maier, (Hg.): Lehr-Lernprozesse in der Schule: Praktikum, Fachdidaktische Anregungen für die Gestaltung und schriftliche Dokumentation von Unterricht. Bad Heilbrunn / Stuttgart: Klinkhardt / UTB 2014. In: EWR 13 (2014), Nr. 6 (Veröffentlicht am 04.12.2014), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/978382524090.html