EWR 17 (2018), Nr. 5 (September/Oktober)

Andreas Romer
Lehrer werden
Von der Idee zum Studienstart
Wiesbaden: Springer Spektrum 2018
(56 S.; ISBN 978-3-658-21920-8; 14,99 EUR)
Lehrer werden Die Frage, wie werde ich Lehrerin bzw. Lehrer erscheint weder vor dem Hintergrund eines sich aktuell abzeichnenden Mangels auf dem Arbeitsmarkt Schule noch vor der umfassenden „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ trivial. Auch in der Forschung zum Lehrerberuf stellt dieses Thema einen vielfach und vielseitig untersuchten Gegenstand dar. Daher verwundert es nicht, dass in der renommierten Reihe „essentials“ des Springer Verlages eine Monografie erscheint, die sich diesem Thema widmet. In konzentrierter Form, so der Anspruch der Reihe, wird das jeweilige „State-of-the-Art“ Wissen des Fachdiskurses präzise und informativ dargestellt. So hat sich Andreas Romer, Mitarbeiter des Münchener Zentrums für Lehrerbildung an der Ludwig-Maximilians-Universität, dem Unterfangen gewidmet, das Themengebiet „Lehrer werden“ in der „essential“-Reihe aufzuarbeiten und einen Einblick in dieses Thema zu geben. Zugleich weist Romer im Vorwort daraufhin, dass in diesen Band seine Erfahrungen aus seiner jahrelangen Arbeit in der Studienberatung eingeflossen sind.

Das 56 Seiten umfassende Büchlein thematisiert in fünf Kapiteln die Chancen und Herausforderungen des Lehrerberufs von heute (Kap. 1), geht in Kapitel 2 der Frage nach, was eine gute Lehrerin, einen guten Lehrer ausmacht und skizziert in Kapitel 3, wie man Lehrerin bzw. Lehrer wird. Im vierten Kapitel wird der Entscheidungsprozess vor Studienbeginn skizziert und in Kapitel 5 werden Hinweise zum richtigen Studieren des Lehramtsstudiums gegeben. Abschließend werden kurze Ausführungen zur Beratung und Literatur zum Weiterlesen dargeboten.

Die Ausführungen im ersten Kapitel „Lehrer sein heute – Chancen und Herausforderungen“ erscheinen zu Beginn vielversprechend und nachvollziehbar, wenn eine Einführung zur Geschichte des Lehrerberufs erfolgt. Etwas unglücklich erscheint es dann allerdings, dass der Abschnitt schon nach acht Zeilen und mit nur einem Fachliteraturverweis endet. Die Ausführungen verbleiben so auf einer Oberflächlichkeit, die zu mehr Fragen führen als Antworten durch den Abschnitt bereitgehalten werden. Auch die folgenden Abschnitte sind sehr knapp gehalten und kommen ohne größere Verweise auf Fachpublikationen aus. Das Unterkapitel zu „Aufgaben der Lehrer“ verweist bei der Unterrichtszeit auf einen Blogeintrag, die Skizzierung der Aufgaben ist eklektisch und unterliegt keiner Systematik. Auch die Behauptung im nächsten Unterkapitel zu „Beamtentum, Verdienst und Aufstiegsmöglichkeiten“, dass „ein Argument, Lehrer zu werden, [...] für viele die Verbeamtung [ist]“ (4), ist vor dem Hintergrund aktueller Forschungserkenntnisse in dieser Pauschalität schlicht falsch. Zumindest ein Verweis auf die Vielzahl der Motivlagen wäre an dieser Stelle angemessen gewesen und nicht erst im vierten Kapitel. Mit dem Unterkapitel „Berufsaussichten“ schließt das erste Kapitel und auch hier werden Aussagen zum Einstellungsbedarf erst einmal ohne jeglichen Verweis auf offizielle Statistiken dargestellt. Erst am Ende wird auf zwei neuere Studien von Klaus Klemm und Dirk Zorn verwiesen. Warum abschließend auf Rollenvorbilder und den hohen Anteil an Frauen im Lehrerberuf eingegangen wird – hier auch mit einem schlichten Verweis auf einen privatbetriebenen Internetauftritt – wird nicht ersichtlich. Die Pauschalität und häufig anzutreffende Undifferenziertheit der Darstellungen gipfelt dann in der nicht weiter belegten Aussage: „Erwünscht sind zudem mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund, die bisher in den Schulen unterrepräsentiert sind, gegenüber einer bunten Schülerschaft aber eine wichtige Vorbildfunktion haben“ (9).

Das zweite Kapitel „Was macht eine gute Lehrerin, einen guten Lehrer aus?“ wird in zwei Unterkapitel aufgeteilt. So wird zunächst auf die Lehrperson als Lernbegleiter eingegangen und die Bedeutung des Lernens herausgestellt. Dabei wird auf einer guten Seite (ausschließlich) der Inhalt eines Aufsatzes von Gerhard Roth aus der Zeitschrift für Pädagogik zusammengefasst, bevor am Ende des Abschnitts noch einmal explizit das „Positive Lernen“ und ein Buch von Fritz Jansen und Ulla Streit hervorgehoben werden. Im zweiten Unterkapitel wird der „Lehrer als Leiter der Klasse“ in den Fokus gerückt. Dabei werden zwar zentrale Aspekte wie der Umgang mit der Klasse und Methoden oder Unterrichtsstörungen thematisiert, aber auch hier werden zentrale Themen der Forschung zum Unterricht eher eklektisch vorgetragen und auch Verweise auf aktuelles „State-of-the-Art“ Wissen aus der Forschung fehlen.

Der Frage „Wie wird man Lehrer?“ widmet sich das dritte Kapitel. Zu Beginn wird das Lehramtsstudium als erste Phase skizziert. So werden mit den Fachwissenschaften, Fachdidaktiken, Bildungswissenschaften und schulpraktischen Lerngelegenheiten die zentralen Elemente des Lehramtsstudiums aufgegriffen und jeweils kurz erläutert. Im zweiten Unterkapitel wird das Referendariat als zweite Phase thematisiert, wobei der Schwerpunkt auf den eher erfahrungsbasierten Anforderungen liegt und mit dem Satz endet, dass „wohl mancher Lehrer froh [ist], das Referendariat erfolgreich überstanden zu haben und wieder freier unterrichten zu können“ (25). Die weiteren Unterkapitel geben kurze Einblicke in die Themen „Einstellung und Bundeslandwechsel“, „Alternative Wege in den Lehrerberuf: Quereinstieg und private Schulen“ sowie „Exitstrategien: Alternativen zum Lehrerberuf“, wobei nicht ersichtlich wird, welchen Zweck die letztgenannten beiden Unterkapitel haben, wenn die Monografie mit dem Untertitel „Von der Idee zum Studienstart“ wirbt.

Ein wohl größeres Ärgernis stellt für eine kundige Leserschaft das vierte Kapitel dar, wenn über die Motive von Lehramtsstudierenden geschrieben wird. So wird ohne Verweis oder kritischer Auseinandersetzung einleitend darauf hingewiesen, dass „mindestens ein Viertel der Lehramtsstudierenden [...] Studien zufolge eher ungünstige Motive für den Lehrerberuf auf[weist]“ (31). Das gesamte Kapitel erscheint in seiner Oberflächlichkeit der Ausführungen weder für die Forschung von Bedeutung, noch wird deutlich, wie durch das Kapitel angehende Lehramtsstudierende eine Orientierung erhalten sollen. Fast schon überflüssig mag der Hinweis an die Leserschaft dieser Rezension erscheinen, dass auch dieses Kapitel mit nur einem Literaturverweis auskommt, wenngleich sich eine Vielzahl an Beiträgen in einschlägigen Handbüchern oder anderen Fachpublikationen mit der Thematik der Berufswahlmotivation auseinandersetzen.

Mit Blick auf das fünfte Kapitel „Lehramt studieren, aber richtig!“ werden zu Beginn im ersten Unterkapitel einige Hinweise zur Studienortwahl sowie zum Numerus Clausus und zu Aufnahmetests gegeben. Im anschließenden Unterkapitel werden dann noch Tipps zur erfolgreichen Bewältigung des Studiums verteilt sowie über die Möglichkeit eines Ergänzungsstudiums und von Auslandsaufenthalten informiert. Letzteres Unterkapitel zeugt wieder von höchst normativen Überlegungen, wenn ohne jeglichen (fachwissenschaftlichen) Verweis die Forderung erhoben wird, dass der „zukünftige Fremdsprachenlehrer [...] mindestens einmal im entsprechenden Ausland leben [sollte]“ (43), da sie „nur so lernen [...] ihre Fremdsprache fließend zu sprechen und [...] eine echte Verbindung und ein tieferes Verständnis für das Land [entwickeln]“ (43). Das Kapitel schließt mit einem eigenen Unterkapitel über Ausführungen zum Sammeln von Praxiserfahrungen im Studium.

Abschließend ist zu konstatieren, dass der Band über weite Strecken leider eine Enttäuschung darstellt, sofern dieser im Sinne der „essential“-Reihe „die Essenz dessen, worauf es als „State-of-the-Art“ in der gegenwärtigen Fachdiskussion oder in der Praxis ankommt“ in präziser wie informativer Form abbilden soll. Zumindest mit Blick auf die Essenz des „State-of-the-Art“ der gegenwärtigen Fachdiskussion wird der vom Verlag artikulierte Anspruch der Reihe in diesem Band nicht eingelöst. Auch wenn der fachwissenschaftliche Diskurs nicht abgebildet wird, so stellt sich weitergehend die Frage, warum in einem Band für (angehende) Lehramtsstudierende nicht zumindest Bezüge zu Erkenntnissen aus für sie später relevanten Bezugswissenschaften hergestellt werden. Es bleibt zu hoffen, dass der Band dazu beiträgt, die sich hier möglicherweise aufscheinenden Differenzen zwischen Studienberatung und Forschung zu überwinden bzw. einen Anlass dafür schafft. Möglicherweise liegt hierin ein erster Mehrwert des Bandes sowohl für die Praxis als auch für die Forschung. Darüber hinaus geht der besser als Ratgeberliteratur zu klassifizierende Band auch vielen Fragen und Aspekten rund um das Thema „Lehrerin bzw. Lehrer werden“ nach. Wenngleich der Band knapp 15 Euro kostet besteht der zweite Mehrwert in der Bereitstellung von Informationen für (angehende) Lehramtsstudierende, die neben den zahlreichen freizugänglichen Online-Angeboten u.a. der vielen Zentren für Lehrerbildung auch in der hier rezensierten Publikation über ihren potenziellen zukünftigen Beruf recherchieren können.
Martin Drahmann (Tübingen)
Zur Zitierweise der Rezension:
Martin Drahmann: Rezension von: Romer, Andreas: Lehrer werden. Von der Idee zum Studienstart. Wiesbaden: Springer Spektrum 2018. In: EWR 17 (2018), Nr. 5 (Veröffentlicht am 31.10.2018), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/978365821920.html