EWR 7 (2008), Nr. 1 (Januar/Februar)

Manfred Prenzel / Lars Allolio-Näcke (Hrsg.)
Untersuchungen zur Bildungsqualität von Schule
Abschlussbericht des DFG-Schwerpunktprogramms
M√ľnster: Waxmann 2006
(413 S.; ISBN 978-3-8309-1743-4; 29,90 EUR)
Untersuchungen zur Bildungsqualit√§t von Schule Mit den Ver√∂ffentlichungen der Ergebnisse aus TIMSS und PISA hat die empirische Schul- und Bildungsforschung in der Bundesrepublik gro√üe Resonanz in der √Ėffentlichkeit gefunden. Erstmals wurde im Anschluss an international vergleichende Schulleistungsuntersuchungen auch in der Bev√∂lkerung wahrgenommen, dass die Leistungen deutscher Sch√ľlerinnen und Sch√ľler allenfalls mittelm√§√üig sind. Nur wenige empirisch-p√§dagogische Arbeiten haben eine vergleichbare √∂ffentliche Aufmerksamkeit gefunden. Eine derartig breite Rezeption hat allerdings auch Kosten. Die offensichtlichsten sind die Simplifizierung von Ergebnissen und die Reduktion von komplexen Befunden auf wenige griffige Botschaften, die keineswegs auf ein Laienpublikum beschr√§nkt, sondern auch innerhalb der Bildungswissenschaften zu finden sind.

Umso wichtiger waren die Reaktionen der Bund-L√§nder-Kommission f√ľr Bildungsplanung und Forschungsf√∂rderung (BLK) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die zwei Schwerpunktprogramme ins Leben gerufen haben, die sich auf die Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts (BLK-SINUS) und auf die Verbesserung der Bildungsqualit√§t von Schule (DFG-BIQUA) konzentrierten. Beide Programme k√∂nnen als Ausdruck einer sich abzeichnenden Ver√§nderung der Aufmerksamkeit begriffen werden: Neben Strukturfragen und einer Diskussion um die Qualit√§t von Einzelschulen erhielten endlich auch die Untersuchung von dom√§nenspezifischen Instruktionsprozessen und die Analyse von schulischen Lernmilieus sowie deren Kontextuierung in Familie und Kommune die ihnen geb√ľhrende Beachtung. Das hier zu rezensierende Buch, herausgegeben von Manfred Prenzel und Lars Allolio-N√§cke, stellt den Abschlussbericht des DFG-Schwerpunktprogramms ‚ÄěBildungsqualit√§t von Schule‚Äú (BIQUA) dar, zu dem auch ein Zwischenbericht [1] sowie ein Beiheft der Zeitschrift f√ľr P√§dagogik [2] vorliegen.


Was waren die inhaltlichen und forschungsstrategischen Zielsetzungen des DFG-Schwerpunktprogramms?

Das Programm untersucht, wie schulische und au√üerschulische Bedingungen die Entwicklung mathematischer, naturwissenschaftlicher sowie f√§cher√ľbergreifender Kompetenzen beeinflussen. Es zielt auf theoretisch weiterf√ľhrende Erkenntnisse sowie auf die Entwicklung neuer Forschungsmethoden ab. Es soll handlungs-relevantes Wissen f√ľr Akteure im Bildungsbereich bereitstellen. Schlie√ülich werden eine F√∂rderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und eine verst√§rkte Forschungskooperation zwischen den in der empirischen Bildungsforschung einschl√§gigen Disziplinen angestrebt.


Was ist das Anliegen des Bandes?

Der Band m√∂chte einen √úberblick √ľber die Fragestellungen, die methodischen Herangehensweisen und die Befunde sowie handlungsrelevante Produkte und Erkenntnisse aus den einzelnen Projekten geben. Das Buch ist so aufgebaut, dass im Anschluss an ein einleitendes Kapitel der Herausgeber die am Programm beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler √ľber die wichtigsten Ergebnisse ihrer Arbeit berichten. Die Reihung der Beitr√§ge orientiert sich an den projekt√ľbergreifenden Schnittstellen der Zusammenarbeit im Schwerpunktprogramm. Dies sind Projekte

  • zu vertiefenden Analysen zu Large-Scale-Assessments,

  • zur Unterrichtsverbesserung,

  • zu f√§cher√ľbergreifenden Kompetenzen von Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern,

  • zu Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern sowie

  • zu schulischen und au√üerschulischen Kontextfaktoren.


Bevor ich die einzelnen Beitr√§ge diskutiere, m√∂chte ich voranschicken, dass der Band einen Fundus an sehr interessanten und innovativen Projekten zur Bildungsqualit√§t von Schule beinhaltet. Die in den Projekten erzielten Ergebnisse weisen das Schwerpunktprogramm sicherlich als das bisher erfolgreichste Schwerpunktprogramm in der Bildungsforschung √ľberhaupt aus. Besonders hervorzuheben sind die Interdisziplinarit√§t der Projekte, mit Einschr√§nkungen im Hinblick auf die Beteiligung der Erziehungswissenschaft, und die gelungene Verkn√ľpfung von unterschiedlichen Forschungsans√§tzen in der empirischen Bildungsforschung. Das Programm verbindet Large-Scale-Assessments, videogest√ľtzte Unterrichtsstudien, experimentelle (Feld-)Studien sowie kontrollierte Interventionsstudien. Erstaunlich f√ľr ein DFG-Schwerpunktprogramm sind auch die in den Projekten erarbeiteten Materialien f√ľr die Praxis.

Den meisten Beitr√§gen gelingt sehr gut die Herstellung einer Balance zwischen (a) einer umfassenden Darstellung der 6-j√§hrigen Projektphase mit der Darstellung des Vorhabens und den realisierten Arbeitsschritten und (b) einer Vertiefung relevanter Ergebnisse aus der zweiten Projektphase. Gleichwohl treten Detailanalysen, wie man sie gew√∂hnlich in wissenschaftlichen Fachzeitschriften findet, notwendigerweise in den Hintergrund. Insofern liefern die Beitr√§ge f√ľr den wissenschaftlich interessierten Leserkreis einen jeweils guten Ausgangspunkt, um sich anhand des Literaturverzeichnisses oder der in Aussicht gestellten Analysen fokussierteren Darstellungen vor allem in Fachzeitschriften zu widmen. Zu einem gro√üen Teil haben die Projekte ihre Arbeiten bereits in nationalen und z.T. hochrangigen internationalen Zeitschriften publiziert oder zur Begutachtung eingereicht. Der vorliegende Band, der einen breiten Leserkreis ansprechen d√ľrfte, macht neugierig auf weiterf√ľhrende Publikationen aus den Projekten.


Vertiefende Analysen zu Large-Scale-Assessments

Die ersten vier Beitr√§ge des Bandes stellen Projektberichte vertiefender Analysen zu Large-Scale-Assessments (LSA) dar. Die Projekte vereint der Gedanke, sich mit Fragestellungen und Datenerhebungen an LSA anzudocken, Entwicklungen f√ľr zuk√ľnftige LSA vorzubereiten oder aber Forschungsfragen zu vertiefen. So widmet sich das als L√§ngsschnittstudie bei Sch√ľlern konzipierte PALMA-Projekt von Pekrun et al. gezielt der Entwicklung mathematischer Kompetenzen, Emotionen, Interessen sowie Lernverhaltensweisen bei Sch√ľlern von der 5. bis zur 10. Jahrgangsstufe. Im Unterschied zu bereits vorliegenden L√§ngsschnittstudien erfassen und analysieren sie Emotionen in der direkten Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Aufgabentypen (Modellierungs- und Kalk√ľlaufgaben). So zeigt sich, dass Modellierungsaufgaben in geringerem Ma√üe mit negativen Emotionen einhergehen als Kalk√ľlaufgaben.

Brunner et al. stellen Ergebnisse aus dem Projekt COACTIV vor, eine mit der deutschen Stichprobe bei PISA 2003 verbundene Studie bei Mathematiklehrkr√§ften mit dem Ziel einer differenzierten Erfassung professioneller Lehrerkompetenzen. Ausgehend von einem Expertisemodell professioneller Lehrerkompetenz gelingt den Autoren die reliable Erfassung von Professionswissen ‚Äď vor allem fachspezifisch ‚Äď, und sie k√∂nnen fachdidaktisches und fachwissenschaftliches Wissen empirisch voneinander trennen. Fachspezifisches Professionswissen wie auch motivationale Orientierungen und selbstregulative F√§higkeiten der Lehrkr√§fte h√§ngen mit ihrer Unterrichtsgestaltung zusammen. Die Befunde der Studie sind in vielfacher Hinsicht von hoher Relevanz sowohl f√ľr die Lehrerforschung als auch f√ľr die Diskussion um Lehrerprofessionalit√§t und Fragen der Lehrerfortbildung. Inwieweit Lehrerkompetenzen einen nachweisbaren Effekt auf die Entwicklung von Sch√ľlerkompetenzen besitzen, wird im vorliegenden Beitrag noch nicht beantwortet.

Ehmke und Siegle docken eine Elternstudie bei PISA 2003 an und wenden sich einer in der Bildungsforschung bisher vernachl√§ssigten Frage zu: Welche mathematischen Kompetenzen haben Eltern und in welchem Zusammenhang stehen diese mit dem lernrelevanten Unterst√ľtzungsverhalten sowie den Kompetenzen der Sch√ľler? Die Studie ergibt einige interessante Befunde, wie z.B. dass die mathematischen Kompetenzen der Eltern jene ihrer Kinder √ľberschreiten und dass die Unterschiede zwischen V√§tern und M√ľttern in der mathematikbezogenen Kompetenz weitaus gr√∂√üer sind als zwischen Jungen und M√§dchen, was wahrscheinlich als eine Folge der im Verlauf des Erwachsenenalters fortschreitenden Kumulation von Interessendifferenzierung und Gelegenheitsstrukturen interpretiert werden kann. Es zeigt sich zudem, dass eine h√∂here mathematische Kompetenz der Eltern mit einem eher lernf√∂rderlichen Umfeld im Hinblick auf die Kompetenzentwicklung einhergeht. Offen bleibt die Frage, ob die Effekte auch noch bei Kontrolle dom√§nen-√ľbergreifender Merkmale des Elternhauses erhalten bleiben.

Der Beitrag von Seidel et al. fasst die Ergebnisse der IPN-Videostudie, einem Projekt zu Lehr-Lernprozessen im Physikunterricht zusammen. Eine Besonderheit der Studie ist darin zu sehen, dass sie sowohl als Forschungsprojekt als auch als Praxisprojekt im Sinne der Lehrerfortbildung begriffen werden kann. Auf der Forschungsseite zeichnet sich das Projekt dadurch aus, dass es Werkzeuge und Instrumente zur Analyse von Unterricht sowie Kodiersysteme entwickelt und die Wirkungen von Unterricht auf das Lernen analysiert. Auf der Praxisseite wurde eigens untersucht, wie Lehrkr√§fte lernrelevante Unterrichtsszenen identifizieren und analysieren. Die Autoren berichten √ľber eine Erprobung der multimedialen Lernumgebung bei Lehrkr√§ften und deren Evaluation.


Unterrichtsverbesserung

Die Beiträge zum Themenbereich Unterrichtsverbesserung stellen mit Ausnahme der deutsch-schweizerischen Videostudie von Klieme et al. allesamt experimentelle Studien in Kooperation zwischen pädagogischer Psychologie und Fachdidaktiken sowie partiell der Grundschulpädagogik dar. Hier scheint besonders die Studie von Möller et al. zur Förderung naturwissenschaftlichen Verständnisses in der Grundschule durch die Schaffung einer konstruktivistischen Lernumgebung den Zielsetzungen des Schwerpunktprogramms am nächsten zu kommen. Die experimentellen Studien zum Verstehen der Förderung naturwissenschaftlichen Verständnisses werden gezielt erweitert um eine kontrollierte Interventionsstudie bei Lehrern, was schließlich die Entwicklung und Veröffentlichung von Lehrmaterialien nach sich gezogen hat.

Synergien zeigen sich in der Verbindung zu dem Projekt von Sodian et al. zum Wissenschaftsverst√§ndnis bei Grundsch√ľlern. In drei klug aufeinander aufbauenden Interventionsstudien zeigen sie, dass wissenschafts-theoretisch orientierter Unterricht bereits bei Viertkl√§sslern eine Vorstellung √ľber die Rolle von Fragen, Ideen und Hypothesen im wissenschaftlichen Erkenntnisprozess sowie Einsicht in die Logik des Experimentierens vermitteln kann.

Reiss et al. wechseln die Dom√§ne und besch√§ftigen sich mit der Effektivit√§t heuristischer L√∂sungsbeispiele im Mathematikunterricht. Ausgehend von den Defiziten deutscher Sch√ľlerinnen und Sch√ľler im mathematischen Argumentieren und Probleml√∂sen, pr√ľfen die Autoren den Einsatz heuristischer L√∂sungsbeispiele in der Beweisf√ľhrung. In zwei Studien zeigen sie (a) den Effekt dieser Unterrichtsstrategie und (b) in einer experimentellen Studie bei Lehrern auch den Effekt der F√∂rderung dom√§nenspezifischen p√§dagogischen Wissens. Quer zu diesen Arbeiten liegt die bereits erw√§hnte deutsch-schweizerische Videostudie ‚ÄěPythagoras‚Äú von Klieme et al., die sich in einem L√§ndervergleich der Bedeutung von Grunddimensionen der Unterrichtsqualit√§t besch√§ftigt. Leider gehen die Autoren nur am Rande auf die Videodaten ein und berichten stattdessen eher kursorisch Unterschiede in Lehrermerkmalen zwischen den L√§ndern sowie Ergebnisse aus Mehrebenen-analysen der Sch√ľlerdaten. Die Befunde gehen ‚Äď was den Einfluss von Unterrichts-merkmalen auf Formen von Selbstbestimmung betrifft ‚Äď √ľber eine Replikation von Befunden aus anderen Studien kaum hinaus. Die Daten dieses Projekts erscheinen noch unterausgewertet. Man darf aber gespannt sein auf nachfolgende Publikationen aus diesem Projekt.

F√§cher√ľbergreifende Kompetenzen von Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern

Die Beitr√§ge zu den Kompetenzen von Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern legen den Fokus auf die F√∂rderung selbstregulierten Lernens, einem √§u√üerst lebendigen Bereich in der p√§dagogischen Psychologie. Otto et al. entwickelten mehrw√∂chige Trainingsprogramme f√ľr Sch√ľlerinnen und Sch√ľler verschiedener Altersgruppen, Eltern sowie Lehrkr√§fte und haben diese experimentell evaluiert. Zusammenfassend kommen sie zu dem Befund, dass die F√∂rderung selbstregulierten Lernens und mathematischen Probleml√∂sens erfolgreich m√∂glich ist. Lediglich das alleinige Training von Lehrkr√§ften hatte keinen Effekt auf die H√§ufigkeit selbstregulierten Lernens.

Das Projekt von Komorek et al. kn√ľpft direkt an die Studie von Otto et al. an. Auf der Grundlage der dort positiv evaluierten Sch√ľlertrainings wurde ein Unterrichtskonzept f√ľr den Mathematikunterricht entwickelt, das auf das F√∂rdern von Probleml√∂se- und Selbstregulationskompetenzen bei Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern abzielt. Darauf aufbauend wurden f√ľr alle drei Phasen der Lehrerbildung Trainingsprogramme entwickelt, durchgef√ľhrt und evaluiert. Positiv zu bemerken ist, dass das Ausbildungs- und Fortbildungsprogramm bereits mehrfach in der universit√§ren Lehre bzw. in der einer webbasierten Lehrerfortbildung eingesetzt wurde.

Leopold et al. berichten √ľber ihre Studie zur F√∂rderung selbstregulierten Lernens aus Sachtexten im naturwissenschaftlichen Unterricht. Im Unterschied zu den beiden anderen Projekten haben sie ein Trainingsprogramm zur F√∂rderung selbstregulierten Lernens auch erfolgreich in den naturwissenschaftlichen Unterricht integriert.


Kompetenzen von Lehrerinnen und Lehrern

Zwei Projekte befassen sich gezielt mit der F√∂rderung von Lehrerkompetenzen. Im Hinblick auf die F√∂rderung mathematischen und naturwissenschaftlichen Verst√§ndnisses sehen Renkl et al. im Selbsterkl√§ren von L√∂sungsbeispielen ein effektives Mittel, was sie auch in einer experimentellen Versuchsanordnung zeigen. Aufgrund von Videoanalysen stellen sie fest, dass die Arbeit mit L√∂sungsbeispielen jedoch sehr selten im Unterricht auftritt. Wie die Gruppe zeigt, profitieren Lehrkr√§fte bzw. Lehramtsstudierende von Fortbildungen zu diesem Lernansatz, indem sie diese Methode auch h√§ufiger einsetzten. F√ľr die Praxis wurde ein multimediales Lernprogramm entwickelt.

Gräsel et al. untersuchen am Beispiel von Chemie-lehrkräften, inwieweit und unter welchen Bedingungen bestimmte Formen der Kooperation, die eine zentrale Rolle in neueren Professionalisierungsansätzen spielen, gefördert werden können. Sie leiten aus ihren Untersuchungen ab, dass die Wirksamkeit von Maßnahmen mit der Verfolgung gemeinsam getragener Ziele, der Betonung von Vorteilen von Kooperation sowie der Wahrung der Autonomie von Lehrkräften zusammenhängt.


Schulische und außerschulische Kontextfaktoren

Der abschließende Teil zu schulischen und außerschulischen Kontextfaktoren beinhaltet vier Kapitel, von denen sich jeweils zwei auf schulische bzw. außerschulische Kontextfaktoren beziehen.

Die Studie von Herwartz-Emden et al. widmet sich dem Thema Monoedukation und untersucht anhand einer Regionalstudie in Bayern die Frage, was Mädchenschulen im Vergleich zu koedukativen Schulen auszeichnet und welche Effekte diese auf die Entwicklung von Mädchen besitzen. Die Studie weist insofern ein Alleinstellungsmerkmal im Schwerpunktprogramm auf, als sie als einzige genuin qualitative Ansätze der empirischen Unterrichts- und Schulforschung einsetzt, diese jedoch auch mit einer quantitativen Studie verbindet.

Kessels und Hannover betten die Entwicklung schulischer Interessen in allgemeine √úberlegungen zur Identit√§tsentwicklung im Jugendalter ein. Eine zentrale Rolle in ihrem Erkl√§rungsansatz spielen das Image mathematisch-naturwissenschaftlicher F√§cher und die Personen, die sich typisch in diesen F√§chern engagieren (Prototypen). In experimentellen Studien wird gezeigt, dass Prototypen und Imagefaktoren die Interessensentwicklung steuern. Dass Effekte ung√ľnstiger Imagefaktoren erfolgreich reduziert werden k√∂nnen, belegen sie in anschlie√üenden Interventionsstudien.

Wild et al. konzentrieren sich ausgehend von der Selbstbestimmungstheorie auf Bedingungen im Elternhaus, die die Entwicklung selbstbestimmter Formen der Lernmotivation f√∂rdern. Anhand einer L√§ngsschnittstudie beim √úbergang von der Grundschule in die weiterf√ľhrende Schule k√∂nnen sie zeigen, dass die emotionale Unterst√ľtzung im Elternhaus sowie deren Autonomieunterst√ľtzung die Motivationsentwicklung positiv beeinflussen. Die Befunde dienten als Grundlage f√ľr ein Elterntraining wie f√ľr Lehrerfortbildungen, die im Projekt erfolgreich erprobt wurden.

Schmid et al. spannen schlie√ülich einen Bogen zwischen dem Wertewandel als Makroph√§nomen und dessen Bedeutung f√ľr das schulische Lernen. In mehrheitlich experimentellen Studien gehen die Autoren den Bedingungen und Auswirkungen von Handlungskonflikten nach, die durch die Konkurrenz von Leistungs- und Wohlbefindenswerten entstehen. Die Autoren schlagen vor, Sch√ľlerinnen und Sch√ľlern Hilfestellungen bei der Strukturierung von Lern- und Freizeitphasen anzubieten, um mit diesem Zielkonflikt besser umgehen zu k√∂nnen. Eine Konkretisierung derartiger Ma√ünahmen steht allerdings aus.

[1] Doll, J. / Prenzel, M. (Hrsg.): Bildungsqualit√§t von Schule: Lehrerprofessionalisierung, Unterrichtsentwicklung und Sch√ľlerf√∂rderung als Strategie der Qualit√§tsverbesserung. M√ľnster: Waxmann 2004.
[2] Prenzel, M. / Doll, J. (Hrsg.): Bildungsqualit√§t von Schule: Schulische und au√üerschulische Bedingungen mathematischer, naturwissenschaftlicher und f√§cher√ľbergreifender Kompetenzen. In: Zeitschrift f√ľr P√§dagogik (45. Beiheft). Weinheim, Basel: Beltz 2002.
Rainer Watermann (Göttingen)
Zur Zitierweise der Rezension:
Rainer Watermann: Rezension von: Prenzel, Manfred / Allolio-N√§cke, Lars (Hg.): Untersuchungen zur Bildungsqualit√§t von Schule, Abschlussbericht des DFG-Schwerpunktprogramms. M√ľnster: Waxmann 2006. In: EWR 7 (2008), Nr. 1 (Veröffentlicht am 06.02.2008), URL: http://www.klinkhardt.de/ewr/978383091743.html